Warum ist Trump so faszinierend für viele Menschen? Meiner Ansicht nach aus 2 Gründen: Trump gibt simple Antworten auf komplexe Fragen und er ist von sich komplett überzeugt. Beispiel: Wenn illegale Einwanderer kommen, will Trump eine Mauer bauen. Wenn Firmen ins Ausland abwandern, will er die Steuern senken, damit sie zurückkommen. Dass er damit oft an der Realität vorbei zielt, steht außer Frage. Jedoch kann er durch seine Selbstüberzeugtheit viele mitreißen. Grund genug einmal sein Profil anzuschauen.

Trump ist ein Typus, der die Welt durch Beziehungen erlebt, in seinem Fall durch die Beziehung zu sich selbst. Dabei hat er innerlich eine hohe Varianz an emotionalen Zuständen – er lebt sozusagen in einem emotionalen Disneyland. Allerdings hat er gelernt, sich in der Öffentlichkeit halbwegs zurückzuhalten. Er ist ein Macher, ein Mensch, der eher Informationen aussendet, als diese wahrzunehmen. Das erklärt auch seine Tendenz im Wahlkampf anzugreifen, nicht hinzuhören und unempfänglich für leisere Töne zu sein. Das übliche Konfliktverhalten eines Beziehungstypen ist eher die Flucht. Davon scheint man auf den ersten Blick bei Trump nicht viel erkennen zu können. Schauen wir jedoch genauer hin, erkennen wir anhand seiner Augenbewegung und seines rhetorischen Verhaltens, dass er, sobald er in Bedrängnis gerät, durchaus ausweicht. Selten antwortet er präzise auf eine Frage. Ein weiteres Merkmal ist, dass er viel zu spät realisiert, was er von sich gibt. Oft widerspricht er sich dabei selbst. Seine extreme Selbstverliebtheit ist seiner Grundausrichtung (Beziehungstyp) in Verbindung mit der Beziehungsebene (Ich-Verbundenheit) zu sehen.

Trump hat 2 große Schwächen:
1. Er hat einen schlechten Bezug zur Vergangenheit. Das bedeutet, dass er nicht auf dem Schirm hat, was er irgendwann gesagt, getan oder gedacht hat. Das in Verbindung mit einer eher schwachen Wahrnehmung ist sein blinder Fleck.
2. Trump ist äußerst empfindlich, wenn er inkompetent, hilflos oder dumm dasteht. Aufgrund seines Profils wird er in so einem Moment schnell ausfallend und wird sich um Kopf und Kragen reden.

Trump ist des weiteren ein Machtmensch: Er will seine Umgebung beeinflussen und sein Umfeld beherrschen. Er liebt es seine Kraft unter Beweis zu stellen, Macht auszuüben und sich im Wettbewerb zu behaupten. Sein Grundbedürfnis ist Autonomie. Er gerät unter Stress, wenn er mit seiner Angriffslust die Hindernisse nicht beseitigen kann und wenn er abhängig erscheint oder gar ist. Ob Trump eine narzisstische Störung hat, mögen Psychologen und Psychiater beurteilen, auf jeden Fall hat er einen Hang zur Selbstverliebtheit bis hin zu tendenziellem Größenwahn. Zu Fall bringt ihn das in dem Moment, in dem man ihn mit seinen Fehlern bloß stellt und er nichts daran ändern kann. So seiner Macht beraubt, wird er vermutlich eine unkontrollierte Wutreaktion zeigen, die seine Kampagne vernichten kann. Warten wir ab, was bis zur Wahl geschieht.

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