Durch Zufall bin ich auf die Geschichte des Besuchs der Queen gestoßen. Das ganze spielte sich 2015 ab. Bundespräsident Gauck überreichte der Queen ein gemaltes Bild mit einem blauen Pferd. Kurz darauf brach ein Shitstorm in der Presse los, die Queen sei „not amused“. Soviel zur Vorgeschichte.

 

Nun geben die Microexpressions ein relativ deutliches Bild ab, das eine andere Sprache spricht. Microexpressions sind Gesichtsausdrücke, die für einen Bruchteil einer Sekunde auftauchen und von uns nicht steuerbar sind. Sie spiegeln die wahre Gefühlslage wieder. Einer der Forscher, die dies erkannt haben, ist Paul Ekman (http://www.paulekman.com/). Viele Medien sprangen auf den Zug auf und kritisierten das Geschenk. Nun bin ich kein Kunstexperte und vermag daher nichts Sinnvolles zu dem Bild zu sagen, sehr wohl aber zu der Mimikanalyse der Queen. Es gibt eine Sekunde, in der die Queen das Bild erblickt und zum ersten Mal bewusst wahrnimmt (https://www.youtube.com/watch?v=8YP2QLMqj3k Zeitpunkt 17:33, ein Bild der Szene ist zu sehen unter: http://www.n-tv.de/panorama/Malerin-Die-Queen-hat-sich-gefreut-article15378371.html). In diesem Moment sehen wir ein Lächeln in der Mundpartie und – besonders wichtig – auch in der Augenpartie. Die Ringmuskulatur ist angespannt, was leichte Fältchen am Rand der Augen verursacht. Dieses Lächeln nennt man Duchenne-Lächeln, nach dem Mann, der es entdeckt hat. Und dies ist der erste emotionale Impuls, den die Queen beim Anblick des Geschenks zeigt. Wenn also tatsächlich irgendjemand meint, aus dem Gesicht der Queen herauslesen zu können, sie sei “not amused“, dann entspricht diese Einschätzung nicht meinem Wissensstand.

 

Bedenken wir Folgendes: Die Queen ist eine Meisterin der Selbstbeherrschung und der Selbstkontrolle. Das bedeutet, alles, was nach einer Sekunde in ihrem Gesicht zu sehen ist, kann man erst einmal vernachlässigen, da sie eine perfekte Maske zeigen kann. Der erste Impuls aber ist nicht steuerbar, nicht von der Queen oder von sonst jemandem. Dieser Gesichtsausdruck ist echt. Das bedeutet: Die Queen zeigte echte Freude, ob über das Bild, die Geste oder die Erinnerung, die das Bild womöglich auslöst, ist eine andere Frage. Jedoch war dieses Lächeln situativ und mit dem Bild, das sie anblickt, verbunden.

 

Und noch ein Wort zur Kritik des Bildes: Es ist ein Geschenk, eine Geste des Respekts. Diese Geste ist gelungen. Über Kunst kann man sich streiten, ich halte das in diesem Zusammenhang jedoch für relativ sinnbefreit.

 

Der Persönlichkeitsscout

2 thoughts on “Das Blaue Pferd, die Queen und eine Gesichtsanalyse

  • 5. Oktober 2016 um 11:29
    Permalink

    Sehr geehrter Herr Ekmann,

    da teile ich Ihre Meinung. Gut, dass es verschiedene Kunstrichtungen gibt und jeder Künstler seinen eigenen Stil hat. Wie langweilig wäre es, wenn man auf die Kritiker hörte. Dann hieße es „Vielfältigkeit ade!“
    Im Gegenzug könnte man auch einmal bei den Kritiken hinterfragen, was sie überhaupt zu Kunstexperten macht und sie somit zu ihrer Kritik berechtigt. Im Gegensatz zu ihnen hat nämlich die Queen Würde bewahrt – und sich letztendlich auch für das Gemälde – welches nicht ohne Grund vom Präsidialamtes als Geschenk ausgewählt wurde – und nicht für das Alternativangebot „Marzipan“ entschieden. Daran erkennt man, dass die Queen nicht so kleinkariert denkt, wie die Verfasser der Negativpresse.

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    • 5. Oktober 2016 um 15:03
      Permalink

      Liebe Frau Schepers,
      herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Einzige Anmerkung meinerseits: Ich bin Michael Kirchhoff, nicht Paul Ekman, auch wenn die Verwechslung mich ehrt. Vermutlich habe ich den Text nicht optimal formuliert. Danke jedenfalls für Ihre Anmerkungen.
      Gruß
      mk

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