Fanatiker begegnen uns dieser Tage häufiger. Seien es Fußballfans, Anhänger bestimmter Politiker oder auch Vertreter politischer Richtungen. Aber wie wird jemand eigentlich zum Fanatiker?

Manche meinen, dass ein Mensch von niederen Motiven getrieben sein muss, um fanatisch zu werden. Dem ist keineswegs so. Tatsächlich entsteht Fanatismus aus einer ganz anderen Richtung. Es beginnt mit einem bestimmten Wertesystem. Ereignisse im täglichen Erleben werden gemäß dieser Werte gedeutet und die daraus entspringenden Überzeugungen verfestigen sich. Ein Beispiel hierfür sind religiöse Gruppen. Ein klassisches Phänomen der Gruppenbildung ist Abgrenzung. Durch Abgrenzung wird die Existenz der Gruppe gesichert. Die Anhänger bestimmter Überzeugungen grenzen sich gegenüber anders denkenden Menschen ab. Um eventuelle Verunsicherungen auszugleichen, wird eine Überlegenheit der eigenen Überzeugungen kreiert. Die eigenen Vorstellungen sind edler, besser, erfolgreicher, was auch immer. Dies ist wesentlich energiesparender, als seine eigenen Überzeugungen ständig zu hinterfragen.

Nun kommt hinzu, dass im Abgrenzungsprozess der Widerstand gegen andere Überzeugungen wächst. Der Glaube an die eigenen Überzeugungen übernimmt die Führung. Alles, was der eigenen Denkweise widerspricht, wird zunehmend als Feindbild bewertet und immer stärker abgelehnt. Die daraus resultierende, ablehnende Reaktion von außen verstärkt diesen Prozess. Weil der Fokus auf abzulehnende Überzeugungen stärker wird, wird die empfundene Verletzung persönlicher. „Gegnerisches“ Verhalten, das starke Emotionen auslöst, wird häufiger wahrgenommen. Dies führt zu einer verstärkten Projektion alles Negativen auf das entstehende Feindbild. Verantwortung für Missstände wird den anderen zugewiesen. Die Empathie nimmt ab und die Bereitschaft, den anderen zu schaden, nimmt zu.

So abgegrenzt führen die 3 Faktoren der Sympathie zu einer stärkeren Gruppenbindung: Gemeinsamkeiten in den Überzeugungen, Wertschätzung der Überzeugungskollegen und die daraus resultierende Kooperation miteinander führen zu einer starken Gruppenbindung. Das Konsistenzprinzip führt dazu, dass die Menschen auf Kurs bleiben. In aller Kürze besagt das Konsistenzprinzip, dass Menschen, die einmal (öffentlich) eine Entscheidung getroffen haben, tendenziell bei dieser Entscheidung bleiben werden, selbst wenn sie sich als falsch herausstellen sollte.

Fanatismus mit Gewalt zu begegnen ist demnach eher kontraproduktiv, weil dies zu einer noch stärkeren Abgrenzung führt. Um die Spirale der Fanatisierung zu durchbrechen, muss man den Blick der Fanatiker für andere wieder öffnen, Gemeinsamkeiten und gegenseitiges Verständnis (im Sinne einer Nachvollziehbarkeit der Sichtweise der anderen) herausarbeiten und durch mediative Gesprächstechniken die Selbstreflektion stärken. Insofern wäre es eine gute Idee, Konfliktkompetenz in den Unterrichtsplan der Schulen aufzunehmen, denn die Zeiten sind unruhiger geworden.

Der Persönlichkeitsscout

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