Jeder Berufstätige hat sie schon einmal kennen gelernt – die Kollegen mit Ellenbogenmentalität. Anfangs freundlich, spielen sie die Zurückhaltenden unter uns nach kurzer Zeit an die Wand. Sie positionieren sich im Vergleich mit anderen und klettern nicht selten die Karriereleiter in erstaunlichem Tempo hoch, weil sie sich einfach gut in Szene setzen können. Nicht selten lassen sie dabei zurückhaltende, introvertierte Menschen hinter sich. Man kann diese Art Mensch besser verstehen, wenn man eine Typologie zu Hilfe nimmt. Dabei sollte jedoch immer klar sein, dass es sich nur um ein Modell handelt, um eine Vereinfachung. Es ist ein Bild von einem Menschen, nicht der Mensch selbst.

Einer dieser Karrieristen ist der Erfolgsmensch nach der PbI-Methode. Das sind die Menschen, deren Motivation es ist, Bestätigung, Aufmerksamkeit und Bewunderung von ihren Mitmenschen zu bekommen. Dabei wollen sie andere übertreffen. Sie sind in der Erledigung von Aufgaben durchaus effizient. Allerdings treten sie auch ständig in den Wettbewerb. Sie treten gerade mit denen in Wettbewerb, von denen sie bewundert werden wollen, denn eigentlich besteht ihre Sehnsucht darin, geliebt und anerkannt zu werden. Das Paradoxe an diesem Menschentyp ist, dass ihre größte Angst ist, abgelehnt zu werden. Aber gerade das initiieren sie durch ihren permanenten Wettbewerb und ihre Ellenbogenmentalität. Der Schwachpunkt dieses Typus ist das Versagen und Scheitern.

In einem Team mit wenig Ellenbogenmentalität kann es zu größerer Unzufriedenheit und Unruhe kommen, setzt man so einen Typus an der falsche Stelle ein. Dann sollte der Erfolgsmensch zumindest soweit entwickelt sein, dass er mit anderen Typen und anderen Bedürfnissen entspannt umgehen kann. Hervorragend eignen sie sich als Verkäufer und Akquisiteure.

Das Problem ist nicht der Typus, das Problem kann sein, dass die Persönlichkeit nicht entsprechend entwickelt ist und eher egozentrisch agiert. „Egozentrisch“ meint dabei die mangelnde Fähigkeit, die eigene Sicht zu verlassen und einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Abholen kann man den Erfolgsmenschen, wenn man ihm statt Bewunderung echten Respekt für die Leistungen zollt, die wirklich anerkennenswert sind. Und man sollte ihn nicht wie einen Versager da stehen lassen. Denn sein Verhalten entspringt dem Gefühl emotional nicht ausreichend versorgt zu sein.

Die Zurückhaltenderen unter uns haben andere Qualitäten, die dann bewusst werden, wenn die Erfolgsmenschen nicht liefern. Insofern geht es eher um einen entspannten Umgang mit diesem Typus, denn wir konkurrieren nicht wirklich. Eines ist klar, das Verhalten des Erfolgsmenschen ist eher nicht persönlich gemeint, sondern typbedingt. Und wenn der Erfolgsmensch die Ellenbogen gegenüber einem selbst ausfährt, dann sollte man sich bewusst sein, dass es dem Wunsch nach Anerkennung entspringt. Das bedeutet, dass unser Beifall ihm wichtig ist. Wir zurückhaltendere Menschen können den Erfolgsmenschen also sein lassen, wenn er es übertreibt, Anerkennung geben, wenn es angebracht ist und verhindern, dass er wie ein Versager da steht. Dann ist der Umgang mit ihm entspannter. Und falls er lernwillig ist, können Sie ihm das Buch von Dr. Wolfgang Hinz und mir schenken: „Egozentriker gekonnt abholen„. Dort steht alles praxisnah erklärt und zum Nachlesen drin.

Der Persönlichkeitsscout

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.