Dieser Tage begegnet man häufig Berichten, bei denen aufmerksame Zuhörer Zweifel am Wahrheitsgehalt haben. Oft können wir nur intuitiv entscheiden, ob etwas glaubwürdig ist oder nicht. Intuition wird jedoch häufig mit Urteilsheuristiken verwechselt. Intuition ist das, was entsteht, wenn viel Erfahrung mit viel Fachwissen zusammenkommt und deren Auswirkungen sich teilweise verselbstständigen.

Eine Methode, die Glaubwürdigkeit zu analysieren, ist das Reality Monitoring (kurz RM). Unter Wisssenschaftlern ist dieses Tool recht beliebt, weil es weniger komplex ist und dennoch erfolgsversprechend. Leider findet es bislang in der Praxis nur wenig Anwendung. Ursprünglich ist es kein Wahrheitsanalysetool, sondern ein Werkzeug, um zwischen erdachten und erlebten Ereignissen unterscheiden zu können. Das ist mitunter bei der Behandlung psychischer Traumata wichtig. Falsche Überzeugungen sind schwer zu erkennen, da die Befragten sie für wahr halten. In einem Fall hatte eine Klientin jahrelang berichtet, dass in ihrer Familie alles ok gewesen sei. Kurz vor einer wichtigen Prüfung kam dann ihr Zusammenbruch. Es kam heraus, dass ihr Bruder sie jahrelang sexuell misshandelt hatte. In solchen Fällen bietet das RM eine wirksame Methode, um den Wahrheitsgehalt zu analysieren. In diesem Fall gab es leider keinen Zweifel.

Verschiedene Forscher haben verschiedene Sets an Kriterien entwickelt. Wir halten uns hier wieder an die Vorlage von Aldert Vrij, der sich seinerseits an die Kriterienliste von Sporer aus dem Jahr 1997 hält. Wichtig wäre noch, zu erwähnen, dass diese Methode nicht bei jungen Kindern funktioniert. Die Kriterien 1-7 treten bei Wahrheit häufiger auf, Kriterium 8 tritt häufiger bei Täuschungen auf. Diese Methode funktioniert bei Erlebnissen, nicht aber bei abstrakten Lügen.

Klarheit:
Ist die Aussage klar und lebendig (im Gegensatz zu schwach und vage)?

Wahrnehmungs-Information:
Enthält die Aussage sensorische Informationen (Sehen, schmecken, fühlen, riechen, hören)?

Räumliche Information:
Enthält die Aussage räumliche Beschreibungen?

Zeitliche Information:
Enthält die Aussage zeitliche Beschreibungen?

Affekte:
Wird die Gefühlslage beschrieben (dabei immer die Baseline beachten)?

Rekonstruierbarkeit der Geschichte:
Lässt sich die Geschichte auf Basis der Aussagen rekonstruieren? (Im Kino sieht man beispielsweise immer einzelne Szenen. Dennoch ist die Geschichte rund, weil der Ablauf rekonstruierbar ist.)

Realismus:
Ist die Beschreibung realistisch, macht sie Sinn?

Kognitive Vorgänge:
Sind die Beschreibungen unterbrochen von kognitiven Vorgängen? Beispielsweise: “Sie sah klug aus.” Ein kognitiver Vorgang ist alles, das im weitesten Sinne auf einem Denkprozess beruht. Je mehr Kognition in den Aussagen vorhanden ist, desto weniger glaubwürdig ist sie. Das bedeutet, dass hier die Skala umgedreht werden muss (4=maximale Abwesenheit der Kognition, 0=maximale Anwesenheit).

Wir skalieren die einzelnen Kriterien wieder von 0-4. Bei den Kriterien 1-7 beschreibt 0 Abwesenheit des Kriteriums und 4 die Anwesenheit. Bei Kriterium 8 ist es umgekehrt: 0 beschreibt Anwesenheit des Kriteriums, 4 beschreibt die Abwesenheit. Wir urteilen nicht, indem wir einzelne Kriterien bewerten, sondern evaluieren den Score, bzw. die Summe. Wahrheit hat einen höheren RM Score als eine Lüge.

Wer dies und mehr lernen möchte, kann ab Ende dieser Woche meinen Online-Kurs buchen „Lügen erkennen leicht gemacht“ auf der GreatLife.Academy. (https://www.greatlife.academy/courses/luegen-erkennen-leicht-gemacht/)

 

 

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